Kraft: „Modernisierung dauert zu lange!“

Haushaltsdebatte im Parlament der DG: Bildungspolitik
Eupen – 22.12.2021 – Auch in der Bildungspolitik deckt die Corona-Krise Fehlentwicklungen auf, die wesentlich älter sind als die Pandemie: Die notwendige Modernisierung des digitalen Lernens und Lehrens lässt ebenso auf sich warten wie ein festes Angebot in den Bereichen Hausaufgaben und Nachhilfe. Colin Kraft und Stephanie Pauels – CSP-Vertreter im PDG-Bildungsausschuss – sind verblüfft, wie halbherzig die Regierung an tragfähigen Konzepten arbeitet.

In der diesjährigen Haushaltsdebatte hat die CSP ihre Kritik des letzten Jahres wiederholen müssen, da leider viele Probleme auch dieses Jahr noch aktuell geblieben sind.

So musste sich die Regierung 2020 den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Sommermonate nicht ausreichend genutzt hatte, um das Unterrichtswesen auf die 2. Welle vorzubereiten. Die Unterrichtsministerin hat offenbar keine Lehren aus dieser Situation gezogen, denn dieses Jahr waren die Vorbereitungen für die 4. Welle genauso unzureichend.

Die digitale Ausrüstung der Schüler und Lehrer verspätet sich ebenfalls. Die Coronakrise herrscht seit nunmehr 2 Jahren. Aber die Laptops, die für einen Hybridunterricht unabdingbar sind, werden wohl erst 2022 geliefert werden, und eine flächendeckende Ausstattung wird es dennoch nicht geben.
Die Regierung erklärt beharrlich, dass der Markt abgegrast sei und es deswegen zu Verspätungen käme. Lokale IT-Anbieter berichten, sie seien über solche Aussagen überrascht. Ihnen zufolge, hätte die digitale Ausrüstung weiter vorangeschritten sein können.

Für Colin Kraft und Stephanie Pauels ist das nicht vorhandene Gesamtkonzept der Regierung ein grundlegendes Problem. In ihren Augen müsse „Schule neu gedacht“ werden. „Die digitale Ausstattung setzt eine grundlegende Evolution des Unterrichts für Schüler, Eltern und Lehrer voraus. In Ostbelgien scheint man aber erstmal Computer anzuschaffen und dann mal zu gucken, wie die Nutzer damit zurechtkommen. Rahmenpläne müssen angepasst, Personal geschult und Material gewartet werden. Zahlreiche Regionen in den Niederlanden oder Dänemark zeigen, wie das erfolgreich geschafft werden kann. Bisher befindet sich die Regierung diesbezüglich im Nirgendwo“, erkennt Kraft.

Die Krise und die notwendigen Maßnahmen haben zu Lernrückständen geführt. In der Vergangenheit hat die CSP zwei Mal versucht ein breites Nachhilfeangebot gesetzlich zu verankern, um diese Rückstände zu bekämpfen. Beide Male wurde der CSP-Vorschlag aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt, die eher an Bockigkeit erinnern, als am guten Willen, das Beste für unsere Kinder zu schaffen. „Wenn jetzt angekündigt wird, diese Unterstützung im nächsten Jahr anzubieten, dann freut uns das zwar, macht allerdings deutlich, dass viele Schüler, dieses Angebot in der Zeit nicht nutzen konnten, als es besonders nötig war. Die Leidtragenden sind die Schüler“, bedauern Kraft und Pauels.

Ein weiterer Aspekt einer neu gedachten Schule besteht für die CSP in der Nachprüfungspolitik. Wenn die Nachprüfungen nicht mehr den gewünschten Erfolg bringen, muss darüber nachgedacht werden, ob eine Sommerschule effizienter sein könnte, um die Rückstände aufzuholen.

Dauerbrenner bleiben auch die mangelhaften Französischkenntnisse unserer Schüler. Sämtliche Akteure aus der Berufswelt bestätigen die katastrophale Entwicklung.
Das, was die Regierung bisher in dieser Sache getan hat, hat offensichtlich nicht geholfen. Noch nicht mal eine Trendwende sei erkennbar. Für die CSP ist klar, dass bedeutend mehr Nativ-Speaker in den Schulen einzusetzen sind und der Französischunterricht reformiert werden müsse.
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