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Bewerbung der Euregio Maas-Rhein als Standort des Einstein-Teleskops

vor 14 Stunden
3 Min. Lesezeit
Steffi Pauels hat in der Plenarsitzung vom 21. September 2026 eine Rede zur Unterstützung der Bewerbung der Eurogio Maas-Rhein als Standort des Einstein-Teleskops gehalten. Nachfolgend findet ihr die vollständige Stellungnahme:

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

werte Kolleginnen und Kollegen,


wenn wir heute über das Einstein-Teleskop sprechen, dann sprechen wir über weit mehr als über ein wissenschaftliches Großprojekt.


Wir sprechen über eine außergewöhnliche Chance für unsere Region.

Das Einstein-Teleskop soll eines der modernsten Observatorien der Welt werden. Tief unter der Erde soll es Gravitationswellen messen und damit völlig neue Einblicke in unser Universum ermöglichen.

Und dieses Teleskop könnte hier entstehen. Bei uns. In der Euregio Maas-Rhein.


Wir haben uns im Ausschuss bereits intensiv mit diesem Projekt beschäftigt. Im März vergangenen Jahres konnten wir beim ETpathfinder in Maastricht selbst erleben, welche wissenschaftlichen und technologischen Dimensionen dahinterstehen.


Aber für mich ist mindestens genauso entscheidend, was ein solches Projekt für unsere Region bedeuten kann.

Es geht um Innovation. Um Arbeitsplätze. Um neue Möglichkeiten für unsere Unternehmen. Um Bildung und Fachkräfte. Und letztlich um die Frage, welche Perspektiven wir jungen Menschen hier in unserer Grenzregion bieten können.


Denn für Bau, Betrieb und Weiterentwicklung einer solchen Infrastruktur werden ganz unterschiedliche Kompetenzen gebraucht. Und genau deshalb nimmt unsere Resolution nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Blick, sondern auch Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende und unsere mittelständischen Unternehmen.


Und das bringt mich zu einem Gedanken, den ich gestern in Namur bei den Fêtes de Wallonie bemerkenswert fand.

Ministerpräsident Adrien Dolimont hat dort gerade das Einstein-Teleskop als ein wichtiges gemeinsames Projekt für Belgien hervorgehoben.

Und tatsächlich ist diese Geschlossenheit bemerkenswert.


Die Abgeordnetenkammer hat die Kandidatur unterstützt. Das flämische Parlament hat sie unterstützt. Das wallonische Parlament hat sie unterstützt. Auch das Benelux-Parlament hat eine entsprechende Resolution verabschiedet. Und heute setzen auch wir als Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft unser Zeichen.

Und seien wir ehrlich: Dass man sich in Belgien über Regionen, Sprachgrenzen, parlamentarische Ebenen und Parteigrenzen hinweg auf ein gemeinsames Ziel verständigt und dann auch gemeinsam dafür einsteht, ist nicht immer selbstverständlich.

Umso stärker ist dieses Signal.


Diese breite Unterstützung hat sich übrigens auch in unseren eigenen Beratungen gezeigt. Ich möchte deshalb an dieser Stelle ausdrücklich die konstruktive und sachliche Zusammenarbeit im Ausschuss hervorheben. Unterschiedliche Fragen und auch kritische Punkte wurden offen angesprochen und haben dazu beigetragen, den Resolutionsvorschlag gemeinsam weiterzuentwickeln. Am Ende wurde er im Ausschuss einstimmig angenommen.


Und eigentlich passt genau diese Art der Zusammenarbeit zum Einstein-Teleskop. Denn dieses Projekt funktioniert nur, wenn Grenzen nicht als Hindernis verstanden werden, sondern wenn Belgien, Deutschland und die Niederlande ihre Kräfte bündeln.


Dabei hat gerade die Deutschsprachige Gemeinschaft eine besondere Rolle.

Wir sind nicht nur Teil der Euregio. Ein erheblicher Teil der möglichen Infrastruktur könnte in unserem direkten Umfeld entstehen, beispielsweise im Raum Plombières, Aubel und Welkenraedt.

Und wir sind bereits eingebunden: in die grenzüberschreitenden Arbeitsstrukturen, in die Zusammenarbeit mit der Wallonie und in den Austausch darüber, wie auch unsere Unternehmen von einem solchen Projekt profitieren können.


Der Geschäftsführer der Euregio hat im Ausschuss ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Deutschsprachigen Gemeinschaft dabei auch eine besondere Funktion als Brückenbauer zukommen kann.

Diese Rolle sollten wir nutzen.

Gleichzeitig gehört zu einer solchen Entscheidung auch, die geäußerten Bedenken ernst zu nehmen. Gerade bei möglichen Auswirkungen auf Windenergie, Bergbau, Umwelt und die Menschen vor Ort müssen wir aufmerksam bleiben und darauf achten, dass im weiteren Planungsprozess tragfähige Lösungen gefunden werden.


Deshalb ist es richtig, dass unsere Resolution ausdrücklich verlangt, Umwelt-, Natur- und Gesundheitsschutz sowie die Beteiligung der Bevölkerung zu gewährleisten und mögliche Einschränkungen auf das notwendige Maß zu begrenzen.


Unterstützung bedeutet eben nicht, Fragen auszublenden. Unterstützung bedeutet, ein solches Projekt verantwortungsvoll mitzugestalten.


Kolleginnen und Kollegen,

am Ende geht es für mich um eine sehr konkrete Perspektive:

Dass junge Menschen aus unserer Region irgendwann sagen können:


„Ich kann hier lernen, studieren, forschen und arbeiten.“

Wir können heute nicht entscheiden, wo das Einstein-Teleskop gebaut wird. Die Bewerbungsunterlagen werden Ende dieses Jahres eingereicht; die Standortentscheidung wird voraussichtlich Mitte 2027 fallen.

Aber wir können heute ein klares Signal senden:


Wir stehen hinter der Kandidatur der Euregio Maas-Rhein. Wir wollen unsere Rolle als Brückenbauer wahrnehmen. Und wir wollen bereit sein, wenn sich diese Chance für unsere Region eröffnet.

Für unsere Unternehmen.Für unsere Schulen und jungen Menschen.Und für eine Euregio, die zeigt, was möglich ist, wenn wir über Grenzen hinweg gemeinsam handeln.


Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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