Endometriose: Jede zehnte Frau in Belgien betroffen

Jolyn Huppertz & Shirin Tjandra (CSP & Junge Mitte) kämpfen für mehr Aufmerksamkeit in Sachen Endometriose

Ostbelgien, 18. November 2022: In Belgien ist eine von zehn Frauen von Endometriose betroffen. Dabei handelt es sich um Gewebsinseln, die starke Schmerzen und ungewollte Kinderlosigkeit zur Folge haben können. Dennoch ist die Erkrankung wenig bekannt und es dauert durchschnittlich sechs bis zehn Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird. In den Augen von Jolyn Huppertz (CSP) und Shirin Tjandra (Junge Mitte) ist das nicht hinnehmbar. Deshalb arbeiteten sie Forderungen an die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft sowie die Föderalregierung aus, die sie mit Unterstützung der Kollegen Sandra Houben, Colin Kraft und Stephanie Pauels im Parlament der DG nun einreichten.
Bei Endometriose handelt es sich um das Auftreten von Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, sich aber außerhalb der Gebärmutterhöhle befindet. Diese Gewebsinseln können sich innerhalb der Gebärmutterwand, aber auch im Bereich der Eierstöcke, Eileiter, Becken und Bauchraum sowie in der Wand von Nachbarorganen wie Darm oder Blase befinden. Im Extremfall kann Endometriose sogar außerhalb des Bauchraumes auftreten. Für Betroffene kann die Erkrankung zu schwerwiegenden Beschwerden führen, die von starken Schmerzen während oder vor der Periode, während und nach dem Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang bis hin zur ungewollten Kinderlosigkeit reichen können. Zudem ist die Krankheit derzeit nicht heilbar.

„In Belgien ist eine von zehn Frauen betroffen - das ist viel! Es ist also wahrscheinlich, dass jeder von uns Betroffene kennt. Und dennoch ist die Ursache ungeklärt und die Erkrankung an sich wenig bekannt. Da muss man sich schon die Frage stellen: Wie kann das sein? Hier muss auf jeden Fall was passieren. Es muss in Forschung investiert werden und wir brauchen mehr Sensibilisierung gesamtgesellschaftlich sowie in den Schulen“, so die CSP-Abgeordnete Jolyn Huppertz, die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Parlament der DG ist.

Auch Länder wie Frankreich haben dies erkannt und Anfang des Jahres einen nationalen Plan zur Bekämpfung von Endometriose vorgestellt. Präsident Emmanuel Macron sagte diesbezüglich, dass Endometriose kein Frauenproblem, sondern ein Gesellschaftsproblem sei und wies darauf hin, dass Endometriose in Frankreich die Hauptursache für Unfruchtbarkeit sei. In Deutschland wurde nun beschlossen, fünf Millionen Euro jährlich für die Erforschung von Endometriose vorzusehen und es wurde im Oktober 2022 ein Speicheltest vorgestellt, der Endometriose innerhalb von zwei Wochen feststellen könne. Dieser sei auch schon verfügbar, koste allerdings ca. 800€ und würde nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Alternative sei, wie bisher, eine Bauchspiegelung – also ein operativer Eingriff.

„Es muss mehr auf Endometriose aufmerksam gemacht werden, damit Betroffene und ihr Umfeld die Anzeichen erkennen. Viele Frauen denken, dass selbst starke Schmerzen nun mal zur Periode gehören, lassen sich nicht untersuchen und versuchen damit zu leben. Abgesehen davon, dass die Schmerzen auch darüber hinaus gehen können, sind die Folgen von Endometriose nicht ‚nur‘ physischer, sondern auch psychologischer, sexueller, finanzieller und sozialer Natur. Eine schnelle Diagnose ist also wichtig.“, betont die Co-Vorsitzende der Jungen Mitte Shirin Tjandra.

Eine Studie der World Endometriosis Research Foundation aus dem Jahr 2012 zeige, dass sich die durchschnittlichen Kosten der Krankheit auf 9.579 Euro pro Patientin und Jahr belaufen. 6.298 Euro dieser Kosten entstehen, da aufgrund der Erkrankung eine geringere Arbeitsleistung erbracht werden kann und 3.113 Euro fallen für die direkte Gesundheitsversorgung an. Darüber hinaus kann Endometriose psychische Belastungen wie Depressionen zur Folge haben, da Lebensziele wie eigen Kinder, Partnerschaft oder Karriere dadurch unerfüllt bleiben können.

In den letzten Wochen arbeiteten die beiden mehrere Forderungen an die DG-Regierung sowie die Föderalregierung aus, die in Form eines Resolutionsvorschlags von der CSP-Fraktion Anfang November im Parlament der DG eingereicht wurden.

„Wir hoffen, dass die anderen Fraktionen im Parlament die Wichtigkeit des Themas erkennen, mit uns an einem Strang ziehen und wir so etwas bewegen können“, so Huppertz und Tjandra abschließend.
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