Nelles: „Der Verbraucher wird glatt übergangen!“

Weniger Bankfilialen und Bargeldumlauf

Ostbelgien – 19.3.2021: Als eine Folge der Finanzkrise der Jahre 2008-2010 ist insbesondere die Schließung zahlreicher Bankfilialen auszumachen: Allein in Belgien verschwanden im Zeitraum zwischen 2008 und 2018 über 3.100 Filialen. Und der Trend geht unvermittelt weiter. Wer auf dem Land wohnt und sich ohnehin etwas schwerer mit dem Umgang neuer Technologien tut, wird das Fehlen des Ansprechpartners in der Sparkasse und den Abbau der Bargeldautomaten bald noch intensiver spüren, erkennt Robert Nelles (CSP), der dieser Entwicklung entgegentritt und nach Lösungen sucht.


Seit geraumer Zeit spüren Gemeinden, Verbraucherschützer aber auch Interessenvertreter von Senioren den zunehmenden Abbau von Bankfilialen. „Die Banken setzen auf Digitalisierung“, fasst Robert Nelles den Trend allgemein zusammen. „Der Kunde wird immer nachhaltiger dazu gezwungen, seine Transaktionen über Computer abzuwickeln. Wem ein solches Gerät fehlt oder nicht mit den Anforderungen der digitalen Welt zurechtkommt, hat schlechte Karten. Oft müssen dann Verwandte oder Nachbarn aushelfen. Das ist weder verbraucherfreundlich noch zeugt es von der Wertschätzung dieser Leute“, so Robert Nelles, Mitglied des DG-Parlaments.


Während sich die Umwandlung unserer Bankdienstleistungen beschleunigt, stehen große Bevölkerungsgruppen dieser Entwicklung eher unvorbereitet gegenüber. Nelles, der in der letzten Legislaturperiode den Ausschuss für Soziales im DG-Parlament leitete, hat sich länger mit der Seniorenpolitik auseinandergesetzt. „Wenn wir alles dafür tun, dass unsere Senioren so lange wie möglich zu Hause leben und ihre Autonomie behalten, dann sollten wir auch die Voraussetzungen für diese Eigenständigkeit schützen: Das Verwalten des eigenen Vermögens gehört hier dazu“, sagt Nelles.


Es sei schwer vorstellbar, was passiert, wenn ohnehin immer weniger Geld im Umlauf und der nächste Bankautomat nur noch durch eine Busfahrt zu erreichen sei. „Was macht die ältere Dame, die ihre Nachbarin bittet, ein Brot zu kaufen? Gibt sie ihr die Bankkarte? Und der Fünfer, den Opa seinem Enkel zusteckt, ist dann auch kaum noch möglich“, skizziert Nelles die künftige Situation.


Nelles will diesem Trend nicht tatenlos ausgeliefert sein. In Kürze wird er der Öffentlichkeit seine Analyse vorstellen, die die Entwicklung, die zur jetzigen Situation führte, ebenso beleuchtet wie die Folgen für die Verbraucher, der hier glatt übergangen wird. Auch der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont (CSP-EVP) hat sich in diese Angelegenheit aktiv eingeschaltet. In einer parlamentarischen Anfrage an die EU-Kommission will er wissen, was die EU gegen das anhaltende Filialsterben zu unternehmen gedenkt. „Laut der Richtlinie über Zahlungskonten haben Verbraucher das Recht auf Eröffnung und Nutzung von Zahlungskonten mit grundlegenden Funktionen. Das sollte durch die Nationalstaaten garantiert werden, ist anhand der aktuellen Zahlen aber kaum erkennbar. Darauf möchte ich die EU-Kommission ansetzen. Laut aktuellen Zahlen der EZB wird das Banken-Filialnetz immer dünner. In Belgien schließt Berichten zufolge jeden Tag eine Filiale – ein Trend, der durch COVID noch verstärkt wird. Ich mache mir Sorgen, dass die älteren Menschen langfristig auf der Strecke bleiben werden, wenn wir jetzt nicht gegensteuern“, erklärt Arimont.


Darüber hinaus greift Nelles Vorschläge seiner Parlamentskollegen auf Landesebene auf, durch die er erwirken möchte, dass der Abbau von Geldautomaten gestoppt wird und diese Automaten so ausgerüstet sind, dass darüber Bankdienstleistungen verrichtet werden können. Insbesondere für Ortschaften im ländlichen Bereich, in denen es keine Bankfilialen mehr gibt, seien unbedingt Automaten vorzusehen. Hierbei könne die Post, bei der der Staat nicht zuletzt durch Steuergelder Mehrheitsaktionär sei, ein wichtiger Partner sein.


Nelles spricht sich ebenfalls für eine Begrenzung der Bankgebühren aus. Mit dieser Gebühr müsse außerdem ein uneingeschränkter Zugang zu den Dienstleistungen des Bankunternehmens möglich sein.


„Natürlich geht es in meinem Ansinnen nicht darum, moderne Entwicklungen – wozu ich eindeutig die Digitalisierung hinzurechne – auszubremsen. Es geht darum, Fehlentwicklungen, denen insbesondere ärmere Mitbürger, Menschen mit Beeinträchtigungen oder nicht selten auch Senioren in ländlichen Gegenden ausgeliefert sind, etwas entgegenzustellen. Wenn digitaler Datentransfer oder bargeldlose Zahlungen für die meisten ein Plus an Lebensqualität bieten, dann kann ich nicht weggucken, wenn genau dadurch andere dabei Abstriche hinnehmen müssen“, so Nelles abschließend.

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