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Sie sind hier: Startseite Veröffentlichungen "Das Wort den Parteien" Jahr 2010 *"Solidarität mit Griechenland"

*"Solidarität mit Griechenland"

Grenz-Echo Monatsausgabe vom 1. April 2010.

Interview mit dem EU-Abgeordneten Mathieu Grosch (CSP)

Die Verschuldung Griechenlands und die Forderung nach finanzieller Hilfe beim EU-Gipfel hat hohe Welle geschlagen. Hat die Europäische Union durch die Diskussionen der letzten Tage Schaden erlitten?

Nein. Die wichtigste Errungenschaft der Europäischen Union war es immer, sich für Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern Europas auszusprechen und für Sicherheit und Wohlstand auf dem europäischen Kontinent zu sorgen. Diese Tradition der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Respekts möchte ich als EU-Abgeordneter mit meinen Parlamentskollegen Elmar Brok, Marietta Giannakou und Ioannis Kasoulides grundlegend verteidigen.

Wie sieht diese Haltung konkret aus?

Wir wollen uns von den öffentlichen Stellungnahmen, die ein falsches Bild des Misstrauens zwischen den europäischen Völkern schaffen, distanzieren. Die derzeitigen innenpolitischen Probleme des Mitgliedstaates Griechenland, die durch die Weltwirtschaftskrise verstärkt wurden, sollten unter keinen Umständen als Grundlage für kollektive Anschuldigungen eines gesamten Volkes dienen. Dennoch muss sich Griechenland umgehend mit seinen finanzpolitischen Problemen auseinandersetzen und Lösungsansätze finden. Dann werden die europäischen Partner ihre Solidarität erklären.

Was erhoffen Sie sich von der Diskussion um die Finanzbeihilfe für Griechenland?

Die europäischen Staaten sind sich bewusst geworden, wie wichtig solide Staatsfinanzen als Leitprinzip für die Eurozone sind. Nur dadurch wird der Euro weiterhin gestärkt und unsere gemeinsame Währung nachhaltig stabil gehalten. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt, den die visionären Gründerväter Europas vor Augen hatten, wird die EU stark machen. Die Mitgliedstaaten sind sich jedenfalls bei dem EU-Gipfel vergangene Woche darüber einig geworden, dass Finanzhilfen nur als letztes Mittel eingesetzt werden sollten.

Glauben Sie nicht, dass aus der Sorge um die Handlungsfähigkeit der EU eine gewisse Europa-Skepsis entstehen wird?

Die Europäische Union stellt eine Union von Staaten, aber auch eine Union von Bürgern dar. Sie basiert auf den Grundsätzen der Zusammenarbeit, der gegenseitigen Achtung und Loyalität den Verträgen gegenüber. Mit diesen Grundsätzen wurde bereits viel erreicht – das spüren viele EU-Bürger jeden Tag. Wir leben in Frieden, Stabilität und einem gewissen Wohlstand. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir aufgerufen, die europäische Vision der Zusammenarbeit und des Respekts zu wahren. Wir müssen die politische und wirtschaftliche Integration vor populistischen Tendenzen schützen und auf die positiven Seiten der Zusammenarbeit in der EU aufmerksam machen.